Regionalmeisterschaft Wettkampfklasse am 02.-04.05.2003 in Rudolstadt

 

Bericht von Nina Brestrich (15 Jahre, TV St.Wendel)

 

Es ist Freitag, der 02.05.2003, 15.00 Uhr. 9 komische Gestalten betreten bei Regen einen kleinen, blauen Bus. Beim genauen Hinsehen erkennt man, dass es sich um die 5 Gymnastinnen Marike Hess, Vanessa Becker, Laura Zeman, Franziska Jurkat und mich (Nina Brestrich), sowie um unsere Trainerinnen Bella Reingold, Birgit Reh und Martina Pfeifer und nicht zu vergessen den Fahrer des Busses Michael Reh handelt.

Wir fahren nach Rudolstadt (30 km von Jena entfernt) zu den Süddeutschen Meisterschaften der Wettkampfklasse in der Rhythmischen Sportgymnastik. Unsere Eltern winken dem Bus noch hinterher und dann sind sie verschwunden.

Für alle Daheimgebliebenen schildere ich jetzt einmal kurz, was alles passiert ist:

Schon auf der Hinfahrt war allerhand los: Bella wurde es schon nach 10 Minuten schlecht, ich musste mir eine Zahnbürste kaufen, weil ich meine vergessen hatte und bereits nach 90 Minuten waren die 3 Mädels auf der Rückbank fest eingeschlafen.

Nach ungefähr 6 stündigem Bravo- und Popcornlesen, Discman-Hören, Foto-Schauen und den heftigen Diskussionen unserer Trainerinnen über den Code de Pointage waren wir endlich am Ziel.

In unserem Hotel „Thüringer Hof“ quälten wir uns gemeinsam mit Bella die Stufen zu unseren Zimmern hoch, während Michael, Birgit und Martina noch ihr Hotel, die „Pilsener Schenke“ suchen mussten.

Endlich konnten wir erschöpft unsere Taschen und Koffer abstellen und schlafen gehen. Denn schließlich wollten wir ja alle für den Wettkampf am nächsten Tag fit sein.

Am nächsten Morgen weckte uns Bella um 7.30 Uhr (früher als abgemacht). Ihre Taktik ging voll auf, denn ich sprang sofort aus dem Bett und fragte Vanessa, ob sie den Wecker nicht gestellt habe. Ich dachte wir hätten verschlafen. Nach dem Frühstück (Gummibrötchen und kalter Kaffee) holten uns Birgit, Martina und Michael vom „Platz der Opfer des Faschismus“, wo laut unserer Wirtin „die Politessen besonders scharf sind“ ab und wir fuhren zur Drei-Felder-Halle.

Dort angekommen schlossen wir sofort mit dem überaus freundlichen Hausmeister Freundschaft, der uns mit den Straßenschuhen nicht in den Hallenbereich lassen wollte. Vor allem Bella wuchs der Hausmeister sehr ans Herz: „Drinnen könnt ihr die Schuhe wieder anziehen!“

Endlich betraten wir die „wunderschöne“ Halle, die noch immer so neu aussieht, weil ja niemand mit Straßenschuhen reingehen darf. Dies scheint allerdings für den Hausmeister und diverse Trainerinnen und Kampfrichterinnen nicht zu gelten.

Leider war die Halle für die Rhythmische Sportgymnastik nicht sehr geeignet. Trotz der geringen Hallenhöhe und vielen Balken und Verstrebungen an der Hallendecke (Wir St.Wendeler fühlten uns wie zuhause), einer Matte, auf der man sich wie auf einem Trampolin fühlte, und nur einem einzigen Spiegel zum Schminken und Haare machen, um den sich über 100 Gymnastinnen rissen, wurde der Wettkampf ein voller Erfolg. Um 10.00 Uhr turnten wir uns auf der Wettkampffläche ein oder besser gesagt: Wir versuchten den anderen Gymnastinnen klar zu machen, dass der Saarländische Turnerbund Einturnzeit hatte. Der Wettkampfalltag begann: Krampfhafte, vergebliche Versuche, irgendwo einen Spiegel zu finden, Lästern über andere Gymnastinnen und deren Trikots bzw. Staunen über herausragende Leistungen und panische Ausrufe wie „Scheiße, in 5 Minuten ist Einmarsch und ich bin noch nicht fertig!“ oder „Scheiße, ich hab vergessen meine Kassette abzugeben!“.

Nach langem Warten hatten wir es geschafft und die heiß ersehnte Siegerehrung begann (um 22.30 Uhr). Wir hatten uns alle für den Deutschland-Cup am 13.-15. Juni in Koblenz weiterqualifiziert: In der Juniorenwettkampfklasse belegte Vanessa den 23., Franziska den 20., Marike den 10. und Laura den 8.Platz von insgesamt 46 Gymnastinnen. Ich wurde in der Seniorenwettkampfklasse (Ja, so alt bin ich schon!) von 36 Teilnehmerinnen 15.

Nach heftigen Diskussionen („Net Chinesisch!“) gingen wir dann in eine Pizzeria essen. Um kurz nach zwölf ging schließlich ein langer, für uns alle anstrengender Tag zu Ende und wir fielen erschöpft in unsere Betten.

Am nächsten Tag durften wir ausschlafen (na ja: bis 8.30 Uhr) und fuhren nach einem Frühstück mit knusprigen Brötchen und warmem Kaffee wieder in die Halle. Birgit und Martina waren bereits dort, da sie werten mussten. Allerdings hatte fast keiner Lust die Kinderwettkampfklasse anzusehen und so fuhren wir Gymnastinnen mit Michael in die Stadt um ein bisschen spazieren zu gehen. Wir hätten ja gerne gesehen, was in Rudolstadt für Menschen leben, doch leider war dort alles wie ausge-storben. In so einem „Kaff“ wie Rudolstadt scheinen es die Leute noch nicht einmal für nötig zu halten, ihre Häuser abzusperren und lassen auch ab und zu die Türen von Cafés sperrangelweit offen stehen ohne dass jemand drin ist. Da wir aber alle nicht kriminalistisch veranlagt sind, blieb die Kasse voll und wir klauten weder Eis noch Waffeln (Marike: „Mit Madeleine hätte jetzt jeder ein Eis!“), sondern machten am Brunnen eine Wasserschlacht bei der niemand verschont blieb. Dann riefen uns Bella, Martina und Birgit gleichzeitig an und wir fuhren zurück zur Halle, um sie abzuholen. Auf der Heimfahrt war die Rückbank noch besser in Form: Sie brauchte nur 10 Minuten um fest einzuschlafen! (Beweisfotos gibt’s bei Martina, die dann aber versuchte den 3 Konkurrenz zu machen!).

Bella war schon wieder schlecht und wir standen im Stau!

Außerdem suchte die Polizei wahrscheinlich irgendeinen Schwerverbrecher, denn uns kamen 10 Polizeiautos entgegen. Schließlich kamen wir dann müde aber glücklich um 19.00 Uhr in St.Wendel an.